Mai 072012
 

Von Sebastian Bösl & Peter Strahl

Die Jusos mit Natascha Kohnen, MdB Marianne Schieder und MdL Franz Schindler.

Schlüsselerlebnis: männlicher Chauvinismus. „So was brauchen wir hier nicht, weil die Mütter ohnehin nur shoppen“, sagte der Stadtangestellte von Neubiberg in Oberbayern. „So was“ war eine Kinderbetreuungsmöglichkeit. Adressatin dieser rüden Abfuhr war die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen. Sie wollte wissen, wie es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Neubiberg stehe – und wurde jäh enttäuscht.

Der Genosse Zufall brachte sie mit der wahlkämpfenden Bürgermeisterkandidatin der SPD zusammen: der Startschuss für die kommunalpolitische Karriere der Biologin.

Natascha Kohnen hatte im Rahmen eines „kommunalpolitischen Gesprächs“ klare Botschaften für die Jusos im Städtedreieck. Die altgedienten Gemeinderäte würden oft die „Jüngeren“ in die Schranken weisen. Kohnens Vorschlag: das „Rucksack-Prinzip“, sprich: jeder Junge sucht sich einen Erfahrenen, der ihn an die Hand nimmt und fördert.

Probleme bei der Beteiligung von Frauen will die bekennende Befürworterin der Quote so lösen, dass eine Frau bewusst an die Spitze einer Organisation gesetzt werden müsse. „Dann ziehen andere nach“, so Kohnen.

Das Phänomen „Piratenpartei“ wusste niemand so recht zu erklären. Auch die anwesenden Mandatsträger, unter ihnen MdB Marianne Schieder und MdL Franz Schindler, hatten unterschiedliche Erklärungen für die neue Konkurrenz. Einig war sich die Runde aber wohl darin, dass es falsch wäre, den Piraten Augenklappe und Säbel stehlen zu wollen. „Wir müssen die Piraten mit unseren Themen konfrontieren und sie zu Aussagen zwingen“, so Kohnen.

Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Jusos im Städtedreieck die Gelegenheit, Natascha Kohnen drei Fragen zu stellen:

In welchen drei Punkten würden die Bayern einen Regierungswechsel zur SPD Christian Ude besonders merken?

In der Bildungspolitik mit der Abschaffung der Studiengebühren und dem Modell Schule als Gemeinschaftsschule. Sie werden es außerdem merken in der Fortführung einer sehr erfolgreichen Wirtschaftspolitik, welche Christian Ude schon in München unter Beweis gestellt hat. Und sie werden es merken in einer Sozialpolitik, die die Schere zwischen Arm und Reich verkleinert und allen Menschen in Bayern gute Chancen ermöglicht.

Kommunalpolitik verträgt Farbe, aber wie viel Weiblichkeit und wie viel Jugend verträgt Rot?

Rot verträgt möglichst viel Weiblichkeit und Jugend. Rot verträgt überhaupt möglichst viele Rathäuser – und dafür werden wir 2014 Vollgas geben.

Junge Frauen für die SPD oder die Jusos zu gewinnen, wie überzeugst du sie?

Ich überzeuge sie, indem ich ihnen zeige und vorlebe, dass sie aktiv in der Politik Dinge verändern und für Gleichstellungspolitik kämpfen können. Ohne Zweifel: Frauen tun den Männern und der Gesellschaft sehr, sehr gut.

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